das-war-nicht.net: Beschwerde-Blog für Verbraucher geplant

Donnerstag, 15. November 2007

Da hatte wohl jemand die Faxen dicke: Nachdem Robert Basic Ärger mit der Telekom hatte, hat er sich entschlossen, ein Beschwerde-Blog ins Leben zu rufen: Unter der Domain das-war-nicht.net sollen künftig Verbraucher, die sich unfair behandelt fühlen, ihre Beschwerden veröffentlichen können.

Grob skizziert sieht das Konzept so aus: Verbraucher wenden sich mit ihren Beschwerden an das das-war-nicht.net-Team. Um zu verhindern, dass die Texte mit Beleidigungen und Verleumdungen gespickt sind, sollen einige wenige Regeln gelten, an die sich die Schreiber halten müssen. Um die Einhaltung sicher zu stellen, sollen freiwillige Moderatoren die Beiträge erst nach einer Prüfung freischalten. Das soll verhindern, dass das Projekt innerhalb kurzer Zeit eingeht, weil Unternehmen ihre Anwälte auf die Blog-Betreiber hetzen.

Der Bedarf für eine solche Plattform ist ohne Zweifel riesig. Weil die Gefahr juristischer Konflikte aber sehr groß ist, wagt Basic mit seinem Projekt einen Tanz auf der Rasierklinge, wie bei Onlinemarketing konkret treffend dargestellt wird:

Wenig Regeln - klare Worte - Streit, Abmahnungen, Klagen - Ende!

oder

Klare Regeln - sanfte Worte - harte Moderation - x-tes Plauder-Forum

Zünglein an der Waage könnte die hohe Bekanntheit und der gute Ruf sein, die Basic als der laut den Deutschen Blogcharts meist verlinkte Blogger genießt. Die dadurch garantierte große Aufmerksamkeit in der Blog- und Medienwelt könnte das-war-nicht.net davor bewahren, zu Tode geklagt und abgemahnt zu werden. Zumindest müssten bekannte Marken-Unternehmen befürchten, dass der Image-Schaden groß ist, wenn sie ihre Anwälte auf das Projekt loslassen, statt auf die Beschwerden einzugehen. Denn der Blog soll nicht nur als Online-Pranger, sondern laut Robert Basic auch als Kommunikationsplattform dienen:

natürlich begrüßen wir es, wenn die Unternehmen sich zu den Vorwürfen äußern würden. Das soll kein Pranger für Firmen werden, sondern eine mögliche Anlaufstelle für einen offenen Dialog

Altersvorsorge: Schluss mit Aufschieben

Freitag, 9. November 2007

Trip old men. But only over there?Es ist nun mal ein anstrengendes Thema. Aber weil es auch ein wichtiges Thema ist, will ich hier einfach nur mal kurz auf das aktuelle und sehr umfangreiche Dossier der Financial Times Deutschland zum Thema Altersvorsorge hinweisen. Man hat ja eigentlich gar keine Lust, sich durch die vielen verschiedenen Tarife und Optionen durchzuwühlen (es gibt sogar Produkte für Öko-Altersvorsorge), aber die FTD macht einem den Einstieg in das Thema leicht. Und wer es in den nächsten zwölf Monaten noch schafft, einen Vertrag abzuschließen, kann unter Umständen noch sparen. Danach schlägt die neue Abgeltungssteuer zu.

Die ganze Aufschieberei bringt doch sowieso nichts.

Furl Webnews Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen del.icio.us

Das schlechteste Produkt des Jahres

Dienstag, 30. Oktober 2007

Der internationale Verbraucherschutzverband Consumers International hat in Sydney den Bad Products Award vergeben. Zu den “Gewinnern” gehören Coca-Cola für das Tafelwasser Dasani, das aus den selben Quellen stamme wie Leitungswasser, und das Pharmaunternehmen Takeda Pharmaceuticals, das Schlafmittel für Kinder beworben hat.

Welche Produkte hätten in Deutschland den Anti-Preis verdient?

  • Als aktuelles Beispiel fällt mir der Ipod Touch von Apple ein, der zwar per WLAN ins Netz kann, aber offenbar außer Stande ist, selbstständig aktuelle Podcasts herunterzuladen. Was für eine grandiose Fehlplanung.
  • Ikea-OnlineshopIn der Kategorie “online” möchte ich neben einer Reihe sinnloser Web-2.0-Startups den so genannten Onlineshop von Ikea nominieren. Bei dem kann man allerhand bestellen, aber nicht das gesamte Sortiment. Wer also eine komplette Küche ordern will, erfährt an der kostenpflichtigen Hotline, dass der geneigte Homeshopper dies bitte per Fax erledigen möge - und für die Mühe des Bestellnummernabtippens dann auf den Online-Versandkostenrabatt von 30 EUR verzichten darf. Ist also eher ein Offline-Shop…
  • Ein Dauerbrenner ist natürlich die Deutsche Bahn: Das Tarifsystem in Deutschland ist so kompliziert, dass es ohne (eine größere Portion) menschliche Intelligenz nicht möglich ist, den individuell günstigsten Fahrschein zu kaufen. Ich habe jedenfalls noch keinen Automaten gesehen, der das au-to-ma-tisch kann.
  • Shell-Werbung mit SternchenLast but not least trifft es Shell, stellvertretend für alle, die ihre Werbeaussagen mit Sternchen versehen. Shell hat das Pech, dass diese Werbung mir als letztes aufgefallen ist. Während ich im Auto saß, konnte ich zwar das Werbebanner an der Tankstelle sehen und die Botschaft aufnehmen, der Sternchentext war aber beim besten Willen von der Straße aus nicht zu entziffern. Und da die Grafik auf der Website sich auch nicht vergrößern lässt, weiß ich bis heute nicht, unter welchen Bedingungen Diesel-Tanker vom Shell-Sprit profitieren können. Ich wundere mich schon seit langem, dass solche Werbung in Deutschland erlaubt ist und empfinde sie als großes Ärgernis. (Schön finde ich aber den Realismus, den das Plakat vermittelt: Da stehen auch alle Autos im Stau.)

Weitere Nominierungen werden gerne entgegengenommen.

Bio = besser?

Donnerstag, 25. Oktober 2007

Viele Verbraucher wissen nicht, was “Bio” eigentlich konkret bedeutet - aber sie finden es gut.

gibt sich die taz heute erstaunt über die Ergebnisse einer Studie von Ernst & Young. Demnach ziehen die Verbraucher Bioprodukte herkömmlichen Produkten generell vor. Immerhin 38 Prozent von ihnen sind bereit einen Aufschlag von mehr als zehn Prozent zu bezahlen. Oftmals seien damit aber falsche Erwartungen an das Produkt verbunden:

82 Prozent der Befragten verbinden mit Bio gesunde Ernährung, 70 Prozent artgerechte Tierhaltung und Artenschutz. Gute Nährwerte und Umweltschutz erwarten 65 Prozent bzw. 60 Prozent der Befragten von Bio-Produkten. Und jeder dritte Verbraucher (35 Prozent) geht davon aus, dass in der Herstellung von Bio-Produkten Energie eingespart wurde. Tatsache sei aber, dass Bio weder artgerechte Tierhaltung noch Umweltschutz zwingend vorschreibe.

Bio-LebensmittelDer Kauf von Bioprodukten macht aus mir also noch lange keine Tier- oder Umweltschützerin und manche Bioprodukte sind schlimmere Dickmacher als ihre konventionellen Verwandten. Wofür bezahle ich an der Kasse dann „gern“ bis zu zehn Prozent mehr? Die Stiftung Warentest geht in ihrer Novemberausgabe dieser Frage am Beispiel Vollmilch nach und kommt zu folgendem Schluss:

Ökomilch liegt bei der Qualität vorn. 6 der 7 Biomilchen waren bei einem Test der Stiftung Warentest „gut“. Sie rochen und schmeckten rein, waren fast immer vollmundig und chemisch und mikrobiologisch in Ordnung. Dagegen waren nur 5 von 12 konventionellen Frischmilchen und 8 von 17 H-Milchen „gut“.

Leider ist es laut der Stiftung Warentest jedoch nicht mit einem für einen Großteil der Verbraucher akzeptablen Preisaufschlag von zehn Prozent getan, denn die Testsieger mit Biosiegel sind fast doppelt so teuer wie die frische Vollmilch vom Discounter. Qualität kostet eben? Nein, was für Vollmilch gilt, gilt für Vollmilchprodukte, wie Vollmilchschokolade, nicht unbedingt:

Bei einem Test von Milchschokolade führen drei Produkte der Discounter Lidl und Aldi die Riege der elf „guten“ Schokoladen an. Die Bioschokolade Gepa 3 Fairena zeigte in Geruch und Geschmack nicht nur Fremdnoten und schmeckte sehr fettig, sondern enthielt in der Schokolade auch ein Konservierungsmittel, das aus der Verpackung stammte. „Mangelhaft“ lautete deshalb das Qualitätsurteil.

Dass teuer nicht unbedingt besser sein muss, ist nicht neu. Dass Bio auch nicht immer die beste Wahl ist, muss sich angesichts des aktuellen Hypes erst noch herumsprechen.

Furl Webnews Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen del.icio.us

Ich will auch zu den Leuten gehören, die voll in sind.

Freitag, 12. Oktober 2007

Ich glaube, so viele Markennamen sind noch nie in einer Sendung des Deutschlandfunks gefallen. “Kinder im Konsumrausch” lautete der Titel der heutigen Lebenszeit-Sendung. Eigentlich eine schlimme Call-In-Sendung, aber dann und wann doch ganz interessant. Marken und Statussymbole, erfuhr man heute, scheinen für Kinder und Jugendliche wichtig zu sein, je nach familiärem Umfeld unterschiedlich stark ausgeprägt. Zwischen Wunsch und Kaufentscheidung gebe es aber eine Diskrepanz, sagt der befragte Pädagoge dazu. Und man lernt, Kinder sind nicht mehr einfach nur Schüler, sondern SKIPPIES: School Kids with Income and Purchasing Power. Die ganze Sendung gibt es als MP3 beim Deutschlandfunk.

Furl Webnews Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen del.icio.us