Unterschreiben Sie hier!

Dienstag, 25. Mai 2010

Spaßeshalber habe ich mich ja schonmal gefragt, was man da eigentlich alles unterschreibt, wenn man im Supermarkt an der Kasse mit EC-Karte bezahlt. In der Regel bekommt man dort einen ellenlangen Zettel mit jeder Menge Kleingedrucktem vorgelegt und unterschreibt, ohne nachzufragen. Wo außer an der Supermarktkasse würde man etwas ungelesen unterschreiben? Und das, ohne eine Kopie zu bekommen?

Kunden von Rewe und Penny Markt unterschreiben beim bargeldlosen Einkaufen nach einem Bericht des Radiosenders NDR Info, dass ihre Daten gespeichert und weitergegeben werden dürfen: an ein Unternehmen für Zahlungsdienstleistungen sowie zwei Wirtschaftsauskunfteien. Der NDR zitiert den von Datenschützern kritisierten Text vollständig:

“Hiermit ermächtige ich das oben genannte Unternehmen der Rewe Group, den ausgewiesenen Rechnungsbetrag durch die beauftragte easycash GmbH, Am Gierath 20, 40885 Ratingen von meinem durch Kontonummer und Bankleitzahl bezeichneten Konto durch Lastschrift einzuziehen und verpflichte mich, auf dem Konto für die notwendige Deckung zu sorgen. Für den Fall einer Rücklastschrift aufgrund unzureichender Kontodeckung, erloschenen Kontos oder nicht berechtigten Widerspruchs verpflichte ich mich, die zusätzlich zu dem Rechnungsbetrag entstandenen Schäden (z.B. Bankspesen, Bearbeitungskosten, Kosten der Adressermittlung) zu ersetzen.

Für den Fall einer Rücklastschrift aufgrund unzureichender Kontodeckung ermächtige ich easycash GmbH, den Rechnungsbetrag zzgl. der entstandenen Schäden innerhalb von 30 Arbeitstagen nach Belegdatum erneut vom genannten Konto durch Lastschrift einzuziehen. Ferner ermächtige ich das kartenausgebende Kreditinstitut SO wie die easycash GmbH, dem oben genannten Unternehmen der ReweGroup unwiderruflich meinen Namen und Anschrift zur Geltendmachung der Forderung mitzuteilen.

Ich willige ein, dass meine Kontonummer sowie Bankleitzahl im Falle einer Rücklastschrift an die Schufa und/oder an die Firma Bürgel Wirtschaftsinformationen GmbH & Co.KG weitergegeben werden und diese zum Zwecke der Schuldnerermittlung Adressdaten bekannt gibt/geben.

Einwilligung gemäß Â§ 4a BDSG

Ich willige ein, dass meine Daten für Zwecke der Zahlungsabwicklung elektronisch gespeichert und verarbeitet werden. Sollte im Rahmen der Zahlungsabwicklung die Lastschrift von meiner Bank nicht eingelöst werden oder sollte ich der Lastschrift widersprechen, stimme ich zu, dass diese Tatsache in eine Sperrdatei aufgenommen werden kann. Nach Zahlung aller Forderungen oder nach Nachweis der Rechtmäßigkeit des Widerspruchs wird der Eintrag wieder gelöscht. Speichernde Stelle für Zwecke der Zahlungsabwicklung ist neben dem oben genannten Unternehmen die easycash GmbH., die auch die eben genannte Sperrdatei für teilnehmende Händler führt.”

Ist das der Grund, weshalb so oft auf PIN-Eingabe verzichtet wird und stattdessen per Unterschrift bezahlt werden kann? Ich könnte mir vorstellen, dass Rewe und Penny ihre Klauseln recht schnell ändern würden, wenn jetzt alle Kunden sich den Text an der Kasse erstmal in Ruhe durchlesen und dann sagen würden: “Nein, das möchte ich nicht unterschreiben.”

Update 27.05.2010:

Rewe hat reagiert:

Der Schutz der Privatsphäre ihrer Kunden hat bei der REWE Group obersten Stellenwert. Das gilt uneingeschränkt auch für das Bezahlen mit EC-Karte. Aus diesem Grund stellen alle Unternehmen der REWE Group ab Donnerstag, 27. Mai 2010, die EC-Kartenzahlung von der Unterschrift an der Kasse auf das PIN-gestützte System um. Die Umstellung wird spätestens Mitte der kommenden Woche in allen zur REWE Group gehörenden Unternehmen abgeschlossen sein. Neben aktuellen Kundenreaktionen war für diesen Schritt entscheidend, dass sich der beauftragte Dienstleister derzeit mit der Landesdatenschutzbehörde NRW in Abstimmung über jüngst aufgetretene datenschutzrechtliche Detailfragen befindet. Erst wenn diese Fragen vollständig und eindeutig geklärt sind, wird die REWE Group die Wiederaufnahme des Unterschriften-Verfahrens prüfen.

“Sparprogramm”: Ein Verbrauchermagazin weniger

Donnerstag, 20. Mai 2010

Verbraucher in Nordrhein-Westfalen (und im Internet) haben bald eine Informationsquelle weniger zur Verfügung. Der Radiosender WDR2 stellt seine Verbrauchersendung Quintessenz ein. Die Sendung, die sich selbst als “Das tägliche ‘Sparprogramm’ auf WDR 2″ bezeichnet, wird jetzt selbst eingespart.

Dem Evangelischen Pressedienst (EPD) sagte ein WDR-Sprecher, dass das Volumen der Verbraucherthemen erhalten bliebe und über den Tag verteilt werde. Nur noch bis Ende Mai bekommen WDR2-Hörer die Informationen gesammelt von 14.30 Uhr bis 15 Uhr, danach ist die Sendung Quintessenz nach fast 40 Jahren Geschichte.

Verbraucher haben damit de facto eine Informationsquelle weniger, aus der sie sich gezielt informieren können. Wer sich für Verbraucherthemen interessiert, wird deshalb kaum den ganzen Tag WDR 2 hören. Mit der Auflösung der festen Struktur “Quintessenz” und der Verteilung der Beiträge über den Tag wird der Sender zu einer Art Cosmopolitan für die Ohren, die irgendwo auch Verbraucherinformationen bietet, aber sicher nicht deswegen gezielt gekauft respektive gehört wird.

Zu hoffen bleibt, dass Verbraucher die Informationen der Quintessenz weiterhin im Internet finden werden. Laut EPD hatte die Sendung den Anspruch, Orientierungshilfen zu liefern, ohne Kaufempfehlungen auszusprechen - genau wie konsumo. Dazu gibt es auf der Seite zur Sendung ausführliche Informationen, einen Newsletter und einen Podcast. Falls diese Angebote ab Juni auch über die WDR2-Website und -Podcasts verteilt werden, wäre das Ende der Quintessenz nicht nur für Radiohörer in NRW, sondern auch für Internetnutzer in ganz Deutschland ein herber Verlust.