Vom Schokoladenverbraucher und Waschmaschinenkäufer

Wolf Schneider hat in vielem Recht. Der ehemalige Chefredakteur der Zeitung “Die Welt” und der deutsche “Sprachpapst”, wie er oft genannt wird, kümmert sich um gutes, verständliches Deutsch. Viele Bücher hat er zum Thema geschrieben, darunter auch “Deutsch fürs Leben” und “Deutsch für Profis”, in denen er vor allem um gute Verständlichkeit der deutschen Sprache wirbt. Schachtelsätze sind verpönt, Fremdwörter auch, wenn es denn einfache Synonyme gibt.

Screenshot sueddeutsche.de
In der neuesten Ausgabe von Schneiders Video-Kolumne auf süddeutsche.de mit dem Titel “Benzin schmeckt nicht” fordert er jedoch nicht mehr bessere Verständlichkeit. Es geht ihm um das Wort “Verbraucherschutz”, das er unpassend findet. Eine Tafel Schokolade würde man zwar tatsächlich verbrauchen - man isst sie, und dann ist sie nicht mehr da. Eine Waschmaschine dagegen will der Käufer gerade eben nicht verbrauchen. Er will sie gebrauchen - und das möglichst lange. Wolf Schneider empfiehlt deshalb statt “Verbraucherschutz” die Begriffe “Käuferschutz”, “Kundenschutz” oder “Besitzerschutz”.

Das aber - das sei bei allem Respekt gesagt - widerspricht Schneiders bisherigem Hauptanliegen, die deutsche Sprache verständlicher zu machen. Wer würde den Verbraucherschutz noch als Verbraucherschutz erkennen, wenn er nicht mehr Verbraucherschutz, sondern Käuferschutz oder gar Besitzerschutz hieße? Wahrscheinlich die wenigsten. Es wäre gar irreführend, denn unter Käuferschutz versteht man heute beim Online-Einkauf etwas ganz anderes.

Auch ist seine Argumentation leicht zu widerlegen, der Begriff “Verbraucherschutz” sei ungenau. Denn auch eine Waschmaschine wird verbraucht. Freilich wünscht sich der Käufer, dass die neue Waschmaschine möglichst lange hält. Das aber ist der Wunsch. In Realität wird die Waschmaschine durch Benutzung verschlissen, irgendwann ist sie kaputt, also verbraucht.

Schneiders Gegenvorschläge Kundenschutz, Käuferschutz und Besitzerschutz sind nicht präziser. Denn Verbraucherzentralen beraten auch Patienten oder Mieter. Für diese passt kein Begriff. Weder Verbraucher, noch Kunde, noch Käufer. Besitzer schon gar nicht.

Schneiders Bemühungen um gute deutsche Sprache in allen Ehren. Aber Verbrauchern, Kunden und Käufern ist mit einer Umbenennung von Verbraucherschutz in Kundenschutz nicht gedient. Wobei uns bei konsumo – zugegeben – der Begriff Konsumentenschutz, wie er in Österreich gebräuchlich ist, gut gefällt.

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Eine Reaktion zu “Vom Schokoladenverbraucher und Waschmaschinenkäufer”Feedicon

Nunja, ein grundlegendes Problem hinsichtlich der Waschmaschine gäbe es da schon: verbrauchen wir denn wirklich eine Waschmaschine? Wird das Ding denn immer kleiner bzw. fallen stetig Teile ab? Gut, letzeres kann natürlich passieren, ist aber nicht im Sinne des Erfinders. Nein, wir benutzen das Gerät stetig und irgendwann ist es nicht mehr ökonomisch, ein Schaden, dessen Reparatur unverhältnismäßig ist tritt auf, etc. Vielleicht ist mancher Begriff ebenfalls unscharf, der Begriff des “Verbrauchers” trifft es aber genausowenig.

Vielleicht sollten wir den negativ konotierten Teil des Begriffs “verbrauchen” auch auf die Verbraucherzentralen anwenden: eine Definition nach Art “Befassen uns mit fast allem, haben aber nur bei wenigem fundierte Fachkenntnisse” mag zwar ungelenk sein, trifft aber des Pudels Kern recht klar…


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