Glühbirne auf Lebenszeit

Donnerstag, 14. Mai 2009

Nutzlos! Lobbyismus! Aktionismus! In den vergangenen Monaten wird die Kritik am EU-Beschluss immer größer, klassische Glühbirnen aus dem Handel zu verbannen. Aktuell ist “Die Welt” das Energiesparlampen-kritischste Medium: Am 11. Mai erschien online der Artikel “Energiesparlampen sind gar nicht so sparsam“. Der rechnet gnadenlos ab mit der Energiesparlampe, sie belaste durch Elektrosmog und Quecksilber Umwelt und Gesundheit, der Energiespareffekt sei zweifelhaft, weil die Sparlampen oft weniger lange halten, als angegeben.

Wie groß der Zweifel an Energiesparlampen inzwischen ist, zeigt auch ein Faltblatt der Deutschen Umwelthilfe. Sie war motiviert genug, eine Infobroschüre herauszugeben mit dem Titel “10 Vorurteile” (PDF). Widerlegt werden die Vermutungen wie: “Energiesparlampen senden elektromagnetische Strahlungen aus” und “Energiesparlampen sind giftig”.

Die Wahrheit liegt vermutlich wie so oft in der Mitte. Energiesparlampen sind bestimmt nicht in dem Maße Heilsbringer für Klima und Portemonnaie wie von der Politik versprochen. Ebenso wenig sind sie die gesundheits- und umweltschädlichen Monster, wie von manchen Medien dargestellt. Energiesparlampen haben ihre Chance verdient.

Aber doch hat die Politik einen großen Fehler gemacht: Sie hat gefühlt von heute auf morgen Glühbirnen verdammt und im Gegenzug Energiesparlampen hochgelobt. Das schafft Skepsis. Viele Bürger sind ohnehin der Politik im ganz Allgemeinen nicht sehr wohl gesinnt, der EU schon gar nicht. Nun kam mit dem Glühbirnen-Verbot ein weiteres Gesetz, das die Stimmung bestätigt: Die da oben machen Gesetze, wissen aber nicht, wie es wirklich läuft!

Spätestens seit der Abwrackprämie, die zuerst als Umweltprämie verkauft wurde, sich später aber als Geschenk an die Autoindustrie entpuppte, sind viele Bürger kritisch mit Verordnungen der Politik, erst recht, wenn es um konkrete Handlungsanweisungen wie den Kauf einer Glühbirne geht.

Zudem war die Verordnung schlecht vorbereitet: Zurecht kritisieren sowohl Sparlampen-Gegner als auch -Befürworter, dass die Rücknahme von defekten Sparlampen nicht ausreichend organisiert ist. Der Handel nimmt die Lampen nicht zurück (im Gegensatz zu alten Batterien), Sammelstellen gibt es zu wenige, sind oft kilometerweit weg. Zu oft landen alte, das giftige Quecksilber enthaltende Energiesparlampen also im Hausmüll.

Die Politik hätte die Umstellung auf Energiesparlampen besser vorbereiten und besser kommunizieren müssen. Die meisten Verbraucher sind einsichtig und aufgeschlossen gegenüber sinnvollen Änderungen, erst recht, wenn sie dadurch Geld sparen. Die schlecht vorbereitete, zu schnell durchgeführte Verordnung der EU hat bei vielen Verbrauchern aber mehr Ablehnung hervorgerufen, als sie für den sinnvollen Kauf von und Umgang mit Energiesparlampen zu gewinnen. Wie schreibt ein User in einem Forum: “Ich habe soeben festgestellt, dass ich die gebunkerten 100-Watt-Glühbirnen in diesem Leben gar nicht mehr verbrauchen kann - na, haben meine Kinder und Enkel auch noch was davon.”

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