Google und Journalismus: Qualität oder Klicks - oder beides?

Freitag, 5. September 2008

Unter dem vielleicht etwas reißerischen Titel „Dramatische Entwicklungen - Wie Google den Journalismus verändert“ hat das Medien-Magazin „Zapp“ des NDR einen sehenswerten Bericht gesendet (via onlinejournalismus.de). Interessant ist der Beitrag vor allem für jene, die Nachrichten im Netz konsumieren. Denn unsere Nachrichtenredaktion, die aus gelernten Journalisten besteht, hat sich durch den Beitrag schon etwas ertappt gefühlt.

Und darum ging es: Journalisten holen sich immer mehr Informationen für ihre Print- und vor allem aber für ihre Online-Artikel aus dem Internet, sprich: über die Google-Suche. Das dürfte mittlerweile hoffentlich jeder Mediennutzer wissen und ist an dieser Stelle weniger interessant. Hinzu kommt nun, dass Redaktionen ihre Themen und Überschriften verstärkt vor allem danach auswählen, wie diese bei Google gefunden werden und weniger danach ob die Nachricht auch wirklich eine Neuigkeit enthält. Veröffentlicht wird also nur das, was Klicks bringt, und wer die meisten Klicks hat, hat die Meinungshoheit über – ja über was eigentlich? Über News und Fotostrecken zu Brad Pitts adoptierten Kindern? Über Klickmaschinen á la “Testen Sie hier den Einbürgerungstest”? Über Schocknews-Serien zu geköpften Kanadiern in Greyhoundbussen?

Wir sind auch nicht besser als der Rest, oder?

Das gruselige ist, dass wir am Sendetag des Beitrags in unserer wöchentlichen konsumo-Redaktionssitzung genau dieses Thema diskutiert haben: Wie schafft man den Spagat,  interessante und relevante Nachrichten auf die Seite zu bringen und gleichzeitig über Google mit den News Leute auf die Seite zu locken, die uns Klicks bringen? Das ist schwierig und fängt schon bei der Formulierung Google-optimierter Überschriften an. An prosamäßige Ergüsse und schöne Formulierungen ist da nicht zu denken - Keywords, Keywords, Keywords müssen „gedropt“ werden. Das kann frustrierend sein: Schließlich ist nicht jedes wichtige Thema auf wenige Schlagwörter zu reduzieren. Andererseits ist es in unserer Situation aber unumgänglich. Wir sind wie die meisten Seiten im Netz auf Google-Traffic angewiesen. Auch Focus-Online generiert 40 Prozent seiner Besucher über Google-Suchanfragen.

Weil die vorderen Positionen bei Google hart umkämpft sind, investieren Medien wie n24.de oder zeit.de viel, viel Geld für Anzeigen, die bei Keywords wie „Nachrichten“ oder „US-Wahl“ im Google-Index ganz oben stehen. Denn nicht nur Journalisten klicken nur auf die ersten zehn Treffer. Wir bei konsumo können uns derartige Kampagnen nicht leisten - wollen wir auch gar nicht. Denn irgendwie macht es auch Spaß, sich der Herausforderung zu stellen, Google UND unsere Leser zufrieden zu stellen.

Damit Ihr wisst von was ich hier eigentlich rede, hier gibt’s den Zapp-Beitrag:

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Start-Up-Gründer als Weltverbesserer

Dienstag, 2. September 2008

Was macht einen Gründer zu einem guten Gründer? Wenn es nach Deutsche-Startups.de geht, kann man das anhand von genau zehn Kategorien bewerten: Außenwirkung, Erfolg, Technologie, Nettigkeit, Netzwerkfaktor, Zukunft, Internationalität, Unkonventionalität, Originalität und Risikobereitschaft. Anhand dieser Kriterien hat eine Jury vor ein paar Wochen Lars Hinrichs von Xing zu Deutschlands bestem Webgründer gewählt.

Eine elfte Kategorie fehlt: “Soziales Engagement”. Denn es gibt inzwischen doch einige Web-Unternehmen, die versuchen, erfolgreich zu sein und dabei gleichzeitig gemeinnützige Ziele zu verfolgen: Genannt seien hier nur beispielhaft armedangels, kaioo oder utopia. Natürliches gibt es zu diesem Trend längst den passenden Anglizismus: “social entrepreneurship” heißt das neudeutsch.

Wie sozial konsumo ist, mag ich nicht beurteilen. Auf jeden Fall war es für mich als konsumo-Gründer immer eine große Motivation, dass unsere Seite als Informationsplattform einen gemeinnützigen Mehrwert hat: konsumo kann dabei helfen, dass Verbraucher ihre Kaufentscheidung bewusster treffen und nicht länger dem Werbe-Blabla und der unendlichen Angebotsvielfalt ausgeliefert sind. Wie bitter nötig das ist, sieht jeder auf den ersten Seiten der Google-Suche: Ganz gleich welches Produkt gesucht wird – auf den ersten Seiten tummeln sich fast nur suchmaschinenoptimierte Web-Shops und Preisvergleiche.

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint?

Allzu weit darf man sich als Gründer aber nicht aus dem Fenster lehnen, wenn man edle Ziele verfolgt. Denn es gehört dazu, dass sich Gründer, die auch die Welt verbessern wollen, nicht nur kapitalistische, sondern gar hinterhältige Motive unterstellen lassen müssen.

So wurde beispielsweise den Gründern von der Social-Community kaioo vorgehalten, dass sie mit dem Label „gemeinnützig“ nur dem unbeliebten Branchenführer StudiVZ Nutzer abjagen wollten (vor allem wegen ihrer Bertelsmann-Vergangenheit). Und Utopia-Gründerin Claudia Langer, die vorher in der Werbebranche gearbeitet hatte, bekam sogar in einer Schmähschrift im Magazin der Süddeutschen Zeitung ihr Fett weg.

Wenn man so geistreich schreiben kann, dass man für das Süddeutsche Magazin arbeiten darf, hört sich die Kritik an dem Öko- und Sozial-Trend und Utopia ungefähr so an:

Es geht letztendlich um das Bemühen, noch jene Lebensbereiche in den Jargon der Ökonomie und der Warenwelt einzugliedern, die von jeher außerhalb dieser Logik stehen. Kategorien wie „Haltung“, „Ethik“, „Verantwortung“ werden zu Produkten und Wertanlagen unter anderen und werfen, wenn alles gut geht, „emotionale Rendite“ ab. Die Moral und der Lifestyle: Sie gehen in dieser neuen Bewegung keine symbiotische Beziehung ein; das eine wird dem anderen unterworfen.

Natürlich kann man Web-Unternehmen wie utopia oder armedangels unterstellen, dass sie den LOHAS-Lifestyle (LOHAS bei Wikipedia) und dessen Anhänger nur ausnutzen, um Geld zu verdienen. Man könnte jedoch auch in guter alter Rechtstradition im Zweifel für den Angeklagten plädieren: Könnte es nicht sein, dass Unternehmertum und gute Absichten tatsächlich miteinander vereinbar sind?

Natürlich: Letztendlich kann ein Unternehmen nur überleben, wenn es auch Einnahmen hat. Start-Ups müssen irgendwann Geld verdienen. Aber es muss nicht immer die Hauptmotivation eines Gründers sein, auf Erfolg und Millionen zu schielen, wie es die Kategorien von Deutsche-Startups vermuten lassen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Am Ende des Tages ist es ein gutes Gefühl, ein sinnvolles Produkt auf die Beine gestellt zu haben.