Slow Shopping

Mittwoch, 26. März 2008

Screenshot Marktjagd.deDie Leute von Marktjagd scheinen einiges mit uns, dem konsumo-Team, gemeinsam zu haben. Mit dem Spruch “Gemeinsam einfach schlauer sein” bewerben sie ihre Seite. “Gemeinsam einfach schlau” war bis vor kurzem das Motto von konsumo. Auch sonst gibt es ein paar Sachen bei den Marktjägern, die unserer Seite ähnlich sind.

Vor allem aber scheint der Geist, der hinter der Idee der Seite steckt, ein ähnlicher zu sein. Man wehrt sich gegen verdummende Werbung, man sammelt online Informationen für Kunden, man setzt auf die Weisheit der Vielen:

Viele Mitglieder der Marktjagd-Community sind wahre Experten auf ihrem Gebiet. Sie schreiben regelmäßig Beiträge über verschiedene Einkaufsthemen wie z.B. über Lebensmittel, Drogerie, Technik, Tierbedarf, Mode, Wohnen und Haushalt und natürlich über allgemeine Neuheiten und News. In der Marktjagd-Community kann man diese Experten treffen und sich mit ihnen austauschen. Man kann aber auch selber aktiv werden und von seinen Erfahrungen als Konsument berichten. In der Community helfen Verbraucher anderen Verbrauchern.

Dieser Text würde auf konsumo genauso gut passen. Ich weiß nicht, ob man bereits von einem Trend zu bewussterem Einkaufen sprechen kann. Aber vielleicht sollten wir zusammen so etwas wie eine Slow-Shopping-Bewegung gründen.

Noch hat nicht jeder verstanden, was konsumo soll. Und auch bei Marktjagd gibt es Unklarheiten. Bisher bietet die Seite auch - ihr Name legt es nahe - vor allem Informationen über Rabatt-Aktionen im Baumarkt, Schnäppchen beim Discounter oder Kuchen aus der Tüte. Die Philosophie der Gründer spricht aber eine andere Sprache. Ich bin gespannt, ob es ihnen gelingt, die Seite auf diesem Kurs zu halten.

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Clewwa: Suchmaschine für Verbraucher mit Kinderkrankheiten

Montag, 17. März 2008

Screenshot clewwa.deSuchmaschinen gibt es zahllose im Netz. Die Nutzung beschränkt sich allerdings auf eine - Google. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat nun mit Clewwa einen Google-Konkurrenten speziell für Verbraucher gestartet.

Im Unterschied zu gewöhnlichen Suchmaschinen sucht Clewwa die gewünschten Informationen in einem fest definierten Katalog und beschränkt sich dabei auf Internetseiten mit verbraucherrelevanten Inhalten - zum Beispiel von Medien, Behörden, Universitäten oder Verbraucher- und Umweltverbänden. konsumo ist leider bislang nicht unter den indexierten Seiten. Und vielleicht sollten die Macher auch den ein oder anderen Blog in die Datenbank aufnehmen, wie es im Konsumblog vorgeschlagen wird.

Im Vergleich zu Google kann Clewwa auf den ersten Blick gleich mehrfach punkten. Zum einen ist die Seite frei von Werbeanzeigen. Zum anderen fehlen all die nervigen Links zu Seiten, die nur deswegen oben stehen, weil die Betreiber geschickt in Suchmaschinenoptimierung sind: Verbraucher auf der Suche nach verwertbaren Informationen stellen schnell fest, dass die Google-Trefferlisten verseucht sind mit nutzlosen Seiten von Preisvergleichen oder Webshops.

Der Haken an der Sache: Der Nutzen einer Suchmaschine hängt aber nicht in erster Linie davon ab, welche Suchergebnisse sie nicht liefert. Google ist deswegen Marktführer, weil die Suchergebnisse größtenteils eben doch sehr gut zu den gesuchten Begriffen passen. Zumindest auf den ersten Blick scheint es hier bei Clewwa noch einigen Nachholbedarf zu geben.

Zwei Beispiele, die mir bei ersten Tests unangenehm aufgefallen sind: Wer hofft mit der Suchphrase “Beamer Full HD” bei Clewwa Informationen über Full-HD-Beamer zu finden, wird leider enttäuscht. Auf den gerade mal acht angezeigten Seiten geht es um Flachbildfernseher, IPTV oder Videokonferenzen. Die einzigen beiden Seiten, die sich tatsächlich mit Full-HD-Beamern beschäftigen, sind Angebote in einem Online-Shop.

Ein anderes Beispiel: Derzeit wird heftig über das Thema Biosprit diskutiert - demnächst wird ja möglicherweise der Anteil an Bioethanol im Benzin auf zehn Prozent erhöht. Die Suche nach dem kurzen Stichwort “E10″ liefert aber reihenweise vollkommen nutzlose Treffer. Darunter zum Beispiel ein Dokument zur Satzung des “Verein der Freunde und Förderer der Fachhochschule Köln e.V.”, dessen URL zufällig die Kombination E10 enthält. Auf Platz eins der Suchergebnisliste steht eine Seite der US Food and Drug Administration, die rein gar nichts mit Biosprit zu tun hat.

Auch wenn diese vollkommen wahllos ausgewählten Beispiele keinen repräsentativen Charakter haben können, zeigt sich doch: Google ist nicht ohne Grund so beliebt. Die Suchmaschine liefert bei den beiden genanten Suchbeispielen deutlich bessere Suchergebnisse als Clewwa. Will sich die Verbraucher-Suchmaschine also tatsächlich als Alternative zu Google positionieren, muss der Such-Algorithmus besser werden. Derzeit setzt Clewwa auf die Open-Source-Entwicklung Nutch.

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Weltverbrauchertag: Bewertungsplattformen im Internet

Mittwoch, 12. März 2008

Bewertungsplattformen im Internet, Quelle: sxc.huAm Weltverbrauchertag (15. März) sollen wir uns die Verbraucherrechte ins Gedächtnis rufen. Dabei nehmen die Verbraucher mittlerweile einen Großteil ihrer Rechte selbst in die Hand: mittels Bewertungsplattformen. Produkte können bei Ciao, Dooyoo und Co. schon lange bewertet werden. Und inzwischen gibt es auch so gut wie keine Dienstleistung mehr, die nicht von einer User-Community beurteilt und kommentiert wird: Bei Handwerkerpoint.de können Internetnutzer Handwerker bewerten, Lehrer und Dozenten bei Spickmich.de und Meinprof.de, Orte wie Restaurants oder Kneipen bei Qype. Einen guten Arzt finden Patienten auf Plattformen wie Topmedic, Arztspiegel.de, bei helpster.de oder Imedo. Bei Kennstdueinen.de können Nutzer sogar Dienstleitungen aller Art bewerten - vom Anwalt bis zum Zahnarzt. Und auch den Urlaub kann man im Internet bewerten, zum Beispiel bei Holidaycheck, urlaub-bewerten.de oder Hotelzensur.de.

Wie konsumo setzen die Portale auf einen Informationsaustausch zwischen Internetnutzern bzw. Verbrauchern, der allen Beteiligten nutzen soll. Nutzer erfahren mehr über die Qualität bestimmter Dienstleister und sollen dank der Empfehlungen nicht in die Fänge übler Abzocker geraten. Und für Unternehmen können gute Bewertungen eine willkommene und kostenlose Werbung bedeuten.

Zwischen Bewertung und Online-Pranger

Doch dass die Bewertungsportale auch Probleme mit sich bringen, hat sich bei Spickmich gezeigt, wo Schüler ihren Lehrern Noten geben können. Eine Lehrerin, die schlechte Noten erhalten hatte, klagte auf Verletzung ihres allgemeinen Persönlichkeitsrechts und sah in der Nennung ihres Namens auf der Homepage einen Verstoß gegen das Datenschutzrecht. Das Oberlandesgericht in Köln lehnte die Klage ab und erklärte das Modell von Spickmich für grundsätzlich zulässig. Die Lehrerin ging in Berufung, das Verfahren läuft.

Wie können sich Bewerter und Bewertete auf rechtlich sicherem Terrain bewegen? Rechtsanwalt Dr. Carsten Ullbricht vom Blog Web 2.0 & Recht empfiehlt:

Die Katalog der Bewertungskriterien sollten allein der Sozialsphäre (berufliche Sphäre) des betroffenen Personenkreises entstammen oder zumindest einen Bezug dazu haben. Insbesondere bei Kriterien, die jedenfalls auch die Privatsphäre des Beurteilten betreffen, ist zu einer besonderen Vorsicht zu raten. […] Während Tatsachenbehauptungen nicht falsch sein dürfen, sollten Meinungsäußerungen und Werturteilen, die die Sozialsphäre betreffen, eben (nur) nicht die Grenze zur Schmähkritik bzw. zur Formalbeleidigung überschreiten.

So lange Bewertungen sich also nur auf die Dienstleistung beziehen, sind sie zulässig und vom Recht auf freie Meinungsäußerung geschützt. Im Fall Spickmich hatten die Richter der ersten Instanz auch in Sachen Datenschutz keine Bedenken, da die in Spickmich veröffentlichten Daten auf der Website der Schule nachzulesen waren. Wenn also Daten eines Unternehmens im Telefonbuch stehen, verstößt es nicht gegen den Datenschutz, wenn eine Website diese ohne Erlaubnis veröffentlicht.

Das letzte Wort in Sachen Bewertungsplattformen ist allerdings wohl noch nicht gesprochen: Heute wird abermals eine Klage gegen Spickmich verhandelt. Dass Gerichte nicht immer im Sinne der Webdienste urteilen müssen, zeigt ein Blick in ein Nachbarland: Der französischen Lehrerbewertungs-Plattform Note2be.com hat unlängst ein Gericht die Nutzung von Lehrer-Namen untersagt.

Um das Risiko von Klagen zu reduzieren, werden bei vielen Bewertungsseiten die Nutzerkommentare vor der Veröffentlichung auf Verunglimpfungen überprüft. Das gilt zum Beispiel für das Reiseportal HolidayCheck. Hier werden laut eigenen Angaben alle Beiträge vor der Veröffentlichung auf beleidigende sowie werbende Inhalte untersucht.

Schelte für Ärzte

Besonders umstritten sind Bewertungsplattformen im medizinischen Sektor. Laut Welt Online halten Ärzteverbände Bewertungen durch Patienten für unpassend. Sie kritisieren die Subjektivität der Bewertungen und bemängeln die Tatsache, dass die Patienten auf vielen der Portale anonym bleiben, während die Identität der Ärzte offen erkennbar sei. Zudem ist der Vorwurf nicht ganz unberechtigt, dass Patienten mangels Fachwissen die Kompetenz eines Arztes nur eingeschränkt bewerten können.

Doch Bedarf an solchen Bewertungen besteht ohne Zweifel, wie ein Kommentar im MediBlawg zeigt:

Wovor haben die Ärzte Angst? Mittlerweile gibt es für jedes Produkt und für jede Dienstleistung ein Bewertungssystem - nur die Ärzte haben damit ein Problem. Dabei ist gerade dieser Bereich von besonderer Wichtigkeit. Jeder, der schon einmal von einem inkompetenten Pfuscher behandelt wurde, kann dies bestätigen.

Christoph Hausel von der Arzt-Bewertungs-Seite helpster.de sieht die Kritik der Ärzte gelassen: „Überall wo bewertet wird, gibt es einen, der mit seiner Bewertung unzufrieden ist. Aber die Nutzer sind mündige Leute, die gehen alle wählen und haben einen Führerschein. Wir müssen darauf vertrauen, dass die Patienten so über den Arztbesuch berichten, wie sie ihn tatsächlich erlebt haben.“ Hausel sieht die Ärzte in der Pflicht, sich den neuen Bedingungen anzupassen: „Es gehört mittlerweile zu den Hausaufgaben der Ärzte zu verfolgen, wie sie bewertet werden.“

Anonymität führt zu Konflikten

Im besten Fall kann öffentlich gemachte Kritik den Dienstleistern tatsächlich als Ansporn zur Verbesserung dienen. Und da die Verbraucher an solchen Bewertungen offensichtlich Interesse haben, wird die Rolle der Bewertungen durch Verbraucher im Internet in den kommenden Jahren sicher weiter zunehmen.

So lange sich Internetnutzer bei den Bewertungsplattformen aber unter dem Deckmantel der Anonymität verbergen können, wird es immer wieder zu Konflikten kommen, die dem Renommee der Plattformen schaden könnten. Denn dann lässt sich nicht ausschließen, dass sich etwa konkurrierende Unternehmen gegenseitig schlechte Bewertungen unterschieben oder erzürnte Kunden reihenweise Kommentare unterhalb der Gürtellinie hinterlassen.

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