„Werber im Tarnanzug“ titelt die aktuelle Ausgabe des Spiegel. Gemeint sind Verkäufer in Kaufhäusern, die die Kunden scheinbar objektiv beraten. Allerdings nur scheinbar – denn sie werden für ihre Beratung nicht vom Kaufhaus bezahlt, sondern vom Hersteller eines bestimmten Produkts. Im Artikel wird der Elektronikhersteller Philips aufgeführt, der eine Beraterin in eine Karstadt-Filiale geschickt hat, um elektrische Zahnbürsten anzupreisen. Sie trägt kein Schild, durch das erkennbar wäre, dass sie zu Philips gehört und eben nicht zu Karstadt. „Als die Tarnung aufflog, fühlte sich der Kunde Gregor L. geleimt.“
Dass Promoter in Kaufhäusern für Produkte einer bestimmten Marke werben, sei inzwischen zum Trend geworden. Alleine die Marketingagentur MV Group stelle dieses Jahr 70.000 Einsatztage von Promotern in Rechnung, schreibt der Spiegel. Diese Werbeaktion sei nicht immer seriös. Denn ist der Promoter getarnt, denken die Kunden, sie würden von einem neutralen Kaufhaus-Mitarbeiter beraten.
Solange der Kunde die Propagandisten als Werbeleute erkennen kann, ist das zwar mitunter nervig, aber noch kein Nepp. Unseriös wird die Praxis aber, wenn der Promoter als scheinbar neutraler Verkäufer auftritt. Und das kommt immer häufiger vor.
Im Spiegel-Online-Forum wird über das Thema diskutiert: Die meisten sind sich einig: Sie wollen wissen, von wem sie beraten werden.
wwwilly: Getarnte oder versteckte Werbung ist unehrliche Werbung und wenn mir ein Unternehmen in der Richtung auffällt, ist es bei mir unten durch.
beckmueller: Ich finde diese Praxis sehr ärgerlich; das grenzt schon an Betrug. […] Ich werde jedenfalls künftig bei “Verkäufer”-Empfehlungen von Philips-Produkten wissen, was ich davon zu halten habe und den Betrugsversuch durch Meiden des empfohlenen Produkts abwehren.
Mit der Diskussion über gefälschte und echte Verkäufer geht die Frage einher, ob man im Supermarkt überhaupt beraten wird oder ob es notwendig ist, sich vor dem Kauf zu informieren. Auch hier ist man sich im Spiegel-Forum weitgehend einig: Da Fachpersonal in größeren Läden Mangelware ist, sei vorheriges Informieren unbedingt ratsam – gerade bei immer komplizierter werdenden Produkten.
Der User hansxxl erzählt, er habe im Fachhandel gearbeitet. Nicht selten hätten sich Kunden bei ihm informiert und sind dann in einen Supermarkt und haben das Produkt gekauft: „Nicht umsonst ist fast der gesamte Fachhandel eingegangen.“
Kundige Beratung im Discounter gibt es nicht, Fachhändler fast auch nicht mehr. Verbraucher helfen sich jetzt gegenseitig, oft sind Kunden ohnehin über Produkte besser informiert als der vermeintliche Fachverkäufer. Der MP3-Player-Experte berät den, der nichts versteht von MP3-Playern. Und der Fachmann für Waschmaschinen erklärt, was beim Kauf einer Waschmaschine zu beachten ist.
Spiegel-Forum-User kertschy meint deshalb folgerichtig:
„Ein kritischer und informierter Kunde braucht einen Verkäufer allenthalben dazu, Auskunft zu erhalten, in welchem Gang das gewünschte Produkt zu finden ist. Mehr nicht.“