Sprechen Sie IFA?

Vor der Eröffnung der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin lese ich in einer dpa-Meldung zu einer Studie von PricewaterhouseCoopers, dass mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Befragten nicht wissen, was sich hinter der Abkürzung HDTV verbirgt. Das Resumee der Marktforscher:

Den Konsumenten fällt es zunehmend schwer, die technologische Entwicklung zu überblicken und eine Kaufentscheidung zu treffen.

Die Süddeutsche Zeitung kommentiert entsprechend auf Ihrer Wirtschaftsseite:

So lassen sich die Werbeabteilungen von Panasonic, Toshiba oder Sony immer neue Abkürzungen einfallen, um Geräte anzupreisen. Dabei vergessen sie, dass zwar die Produkte HD-ready sein mögen - ihre Kunden sind es aber noch lange nicht. Die neuen Möglichkeiten begeistern, aber nur in dem Maße, in dem der Konsument damit umgehen kann.

Die SZ zeigt dabei auf, dass mit dem Einzug von Prozessoren in Fernsehgeräte die Unterhaltungsbranche die Fehler der Computerindustrie wiederholt. Doch auch die Stereoanlage feiere in Zeiten von multimedialen Wohnzimmersystemen eine Renaissance - ihrer Einfachheit wegen. Der Konflikt zwischen buzzword-trächtigen Features und einem bedienbaren Gerät wird laut der oben zitierten Studie aber auch auf anderen Feldern ausgetragen:

Von den Berufstätigen wünschen sich fast 70 Prozent ein einfaches Handy ohne Zusatzfunktionen.

Computer, Unterhaltungselektronik, Telefone - wir haben uns daran gewöhnt, dass wir die Geräte nicht mehr ohne Blick in die Bedienungsanleitung benutzen können. Und für eben solche Geräte scheinen die Hersteller einen Markt zu sehen. Selbst bei elektrischen Zahnbürsten:

Die Oral-B Triumph Professional Care 9900 ist “smart”, so heißt es auf der Verpackung, und das darf der Benutzer wie folgt verstehen: Er kann das Gerät erst benutzen, nachdem er die Bedienungsanleitung mindestens zehn Minuten lang studiert hat. Das ist entwürdigend.

schreibt die Süddeutsche Zeitung in einem Testbericht.

P.S.: In der Studie von PricewaterhouseCoopers bekommt auch die Web-2.0-Gemeinde ihr Fett weg. Es muss eben an allen Ecken und Enden für mehr Verständlichkeit gesorgt werden:

Überraschend ist, dass mit dem häufig genutzten Schlagwort Web 2.0 nur 15 Prozent der Befragten etwas anfangen können. Das trifft selbst auf knapp 30 Prozent der Befragten zu, die sich selbst als Technik-Kenner einstufen.

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