Dass die letzten Tage vor dem Launch von konsumo stressig werden würden - damit hatte ich gerechnet. Dass aber die Zeit danach eigentlich viel nervenaufreibender wird, hatte ich nicht gewusst. Kurze Zeit, nachdem www.konsumo.de nicht mehr passwortgeschützt war, verschickten wir die Pressemitteilung und einige persönlich adressierte E-Mails an eine Handvoll Blogger, bei denen wir ein grundsätzliches Interesse für konsumo vermuteten. Das Warten auf das Feedback aus der Blogosphäre entwickelte sich zu einer echten Geduldsprobe.
Bangen wie bei der Diplomarbeit
Ich kann mich erinnern, dass ich ähnliche Gefühle hatte, als ich meine Diplom-Arbeit abgegeben hatte: Ich hatte monatelang sehr viel Arbeit und Zeit in mein Projekt investiert. Klar, dass ich nun sehnsüchtig darauf wartete, dass meine Professoren ihre Beurteilungen abgaben. Verschlimmert wurde die Situation dadurch, dass man immer die Schwächen eigener Werke am besten kennt. Während ich auf die Note für meine Arbeit wartete, fielen mir natürlich wieder all die Passagen ein, bei denen ich aus Zeitmangel und/oder Faulheit etwas oberflächlich geblieben war oder an denen die Argumentation eine Lücke aufwies.
Im Prinzip war es mit konsumo genauso: Nach dem Launch der Open-Beta verspürte ich alle drei Minuten das tiefe Bedürfnis mal bei Google oder Technorati nachschauen, ob nicht jemand etwas über konsumo veröffentlicht hatte. Und genau wie bei meiner Diplom-Arbeit fielen mir die vielen Ideen ein, die wir bei konsumo aus Zeitgründen vorerst nicht umgesetzt haben. Mussten die Blogger unser Projekt nicht zwangsläufig in der Luft zerreißen?
Das Schlimmste ist überstanden
Zwei Tage nach dem Launch habe ich das Schlimmste überstanden: ich gebe inzwischen nur noch alle zehn Minuten konsumo bei den Suchmaschinen ein. Alles in allem bin ich mit der Resonanz sehr zufrieden: Eine ganze Reihe von Blogs hat über unser Projekt berichtet.
Wenn wir mit zum Beispiel mit konsumo im englischsprachigen Raum an den Start gehen, müssen wir uns eigentlich keine Gedanken mehr darüber machen, wie man unser Konzept kurz und knapp auf Englisch zusammenfasst: Das hat Markus Spath für blognation germany schon hervorragend getan:
Getting value for money is more difficult, because you need more information to make an informed buying decision. Obtaining this information can be costly and time consuming. There is a vast amount of information available on each product, but it is hard to extract some meaning from fact sheets or arbitrary data points; you also could spend hours in scanning reviews, but you never know if they are biased or ill-informed. konsumo is a new wiki for consumers which wants to fill this gap. […] konsumo does not tell you what to buy, it wants to tell you what is important to know when you want to buy something.
Es ist ein gutes Gefühl, festzustellen, dass unsere Idee bei einigen Menschen angekommen ist: Was etwa Alexander Hüsing bei Deutsche Startups schreibt, spricht mir aus der Seele: “Im Grunde bietet die Verbraucher-Plattform damit nicht nur Kaufinformationen, sondern auch Lebenshilfe.” Und Stefan Heß vom Fischmarkt lieferte schon vor dem Start der Open-Beta den hippen Anglizismus, den jedes Start-Up bitter nötig hat: “Social Kaufberatung”. Das Buzz-Word-Feld hatten wir bislang noch sträflich unbeackert gelassen.
Reicht der Appell an den guten Willen?
Natürlich gab es auch die eine oder andere kritische Anmerkung, zu denen ich hier noch kurz Stellung nehmen will. Stefan Wolk schreibt zum Beispiel bei shoppingzweinull.de:
Übergreifend stelle ich mir die Frage, ob der Appell an den guten Willen der User für eine rege Teilnahme am Wiki ausreichen wird - keine Ahnung???
Diese Frage stellen wir uns natürlich auch. Dass das Wiki-Prinzip funktionieren kann, hat Wikipedia ja gezeigt. Ob Platz für ein weiteres Wiki neben der Web-Enzyklopädie ist, wird sich herausstellen :-)
Robert Basic von Basic Thinking interessiert sich mehr für Infos zu bestimmten Produkten als für Wissen über Produktgattungen, wie es bei konsumo zu finden ist:
ich interessiere mich primär für ein gegebenes Produkt und will von den anderen wissen, was für Mankos das Ding hat und wo es glänzt. Nicht, wo TFT-Monitore allgemein glänzen sollen und wo nicht.
konsumo kann sicher Testberichte nicht ersetzen - das ist auch nicht unser Ziel. Dennoch ist konsumo aus unserer Sicht eine sinnvolle Ergänzung. Für Laien sind Testberichte häufig unverständlich - vor allem die aus Fachmagazinen. Um beim Beispiel TFT-Bildschirm zu bleiben: Testberichte liefern beispielsweise Informationen darüber, welche Reaktionszeit ein Monitor hat oder wie hoch der Kontrast ist. Dass die Leser wissen, worum es sich dabei handelt und ob das überhaupt für sie von Bedeutung ist, wird oft stillschweigend vorausgesetzt. konsumo liefert solche Basis-Informationen.
konsumo füllt Informationslücken
Und auch diejenigen, die sich mit Computer-Krempel gut auskennen, haben Informationslücken auf anderen Gebieten: Bei konsumo erfährt man eben auch, was der Unterschied zwischen Arabica- und Robusta-Kaffee ist und warum Zahnpasta möglichst viel Fluorid enthalten sollten.
Weitere Meldungen über konsumo aus der Blogosphäre in:
blog.tzwaen.com
Querdenker
The Museum of Modern Betas
Web2Null